Stellungnahme der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) der Fanprojekte e.V.
Betreff: Geplante Einstellung des Fanprojekts Krefeld zum 31.12.2026
Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) nimmt mit großer Sorge und Unverständnis die Nachricht zur Kenntnis, dass die Stadt Krefeld beabsichtigt, das sozialpädagogische Fanprojekt bei der Stadt Krefeld für die Fans des KFC Uerdingen nicht über den 31. Dezember 2026 hinaus fortzuführen. Diese Entscheidung steht in eklatantem Widerspruch zu den erst im Mai 2026 einhellig positiven Bewertungen der Arbeit durch alle beteiligten Akteure, einschließlich der Stadtverwaltung selbst, der Polizei, des Jugendamtes und des Vereins.
1. Widerspruch zwischen Evaluation und Entscheidung
Es ist fachlich nicht nachvollziehbar, dass ein Projekt eingestellt werden soll, dessen hohe Qualität und Wirksamkeit im Rahmen der Beiratssitzung am 7. Mai 2026 ausdrücklich bestätigt wurde. Fanprojekte leben von Kontinuität und Vertrauen. Die Entscheidung, eine anerkannt gute sozialpädagogische Struktur aus haushaltspolitischen Gründen zu zerschlagen, ignoriert nicht nur den nachhaltigen gesellschaftlichen Mehrwert, den diese Arbeit leistet. Das Einsparpotenzial steht in keinem Verhältnis zu den sozialen Kosten, die durch den Wegfall dieser präventiven Arbeit entstehen. Vielmehr übersieht die Stadt, dass sie lediglich 25% der Kosten eines Fanprojektes zu tragen hat, da das Bundesland (NRW) ebenfalls 25% beisteuert und der DFB sogar 50 % des FP-Haushaltes übernimmt.
2. Unzulänglichkeit des Verweises auf die allgemeine Jugendsozialarbeit
Die Annahme der Stadt Krefeld, die Zielgruppe könne künftig über die allgemeine Jugendsozialarbeit erreicht werden, verkennt die spezifische Methodik der Fanprojektarbeit. Fanprojekte arbeiten nach dem Prinzip der „Akzeptierenden Jugendsozialarbeit“ direkt im Lebensumfeld der Fans – im Stadion, auf Auswärtsfahrten und in der Szene. Sie sind niedrigschwellig und parteilich im Sinne der Jugendlichen. Die allgemeine Jugendhilfe kann diese spezifische Brückenfunktion zwischen Ultra-Szene, Verein und Behörden nicht ersetzen. Ein Verlust dieses Zugangs bedeutet einen Verlust an Prävention, Deeskalation und individueller Förderung für junge Menschen im Alter von 12 bis 27 Jahren.
3. Gefahr für den sozialen Frieden und die Sicherheitsarchitektur
Das Fanprojekt Krefeld versteht sich als „Brückenbauer“ zwischen Fans, Verein und Stadt. Diese Funktion ist essenziell für die Sicherheit im und um das Stadion sowie für die Integration junger Menschen. Die BAG warnt davor, dass die Einstellung des Projekts nicht nur die Fanszene trifft, sondern auch bewährte Kommunikationswege in Krisensituationen kappt. Der KFC Uerdingen hat die Bedeutung des Projekts als „großen Mosaikstein“ im Gebilde des Vereins betont und signalisiert die Zusammenarbeit fortführen zu wollen. Es ist alarmierend, wenn kommunale Sparzwänge eine funktionierende Partnerschaft zwischen Verein, Fans und Jugendhilfe gefährden, obwohl alle Beteiligten den Nutzen der Arbeit sehen.
4. Appell an die Stadt Krefeld
Die BAG der Fanprojekte appelliert eindringlich an die Stadt Krefeld, die Entscheidung zur Einstellung des Projekts zu überdenken.
- Nachhaltigkeit statt Kurzsicht: Soziale Prävention ist eine Investition in die Zukunft, die langfristig höhere Kosten durch soziale Verwerfungen oder Sicherheitsmaßnahmen
vermeidet.
- Anerkennung der Fachlichkeit: Die einstimmig positive Evaluation durch den Beirat muss handlungsleitend sein, nicht der kurzfristige Haushaltsdruck.
- Verantwortung für die Jugend: Den jungen Fans des KFC Uerdingen darf nicht die Perspektive und Unterstützung entzogen werden, die sie über fünf Jahre erfolgreich
begleitet hat.
Wir fordern die Stadt Krefeld auf, gemeinsam mit dem Land Nordrhein-Westfalen, dem DFB und weiteren Partnern unverzüglich nach Lösungen zur Sicherung des
Standorts zu suchen. Ein Aus des Fanprojekts Krefeld wäre ein fatales Signal für die gesamte deutsche Fanprojektlandschaft und würde zeigen, dass bewährte Präventionsarbeit
jederzeit Opfer der Kommunalhaushalte werden kann – ungeachtet ihres nachgewiesenen Erfolgs.
Die BAG der Fanprojekte steht für einen Austausch zur Verfügung, um gemeinsam nach Wegen zu suchen, diese wichtige Einrichtung zu erhalten.
Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) der Fanprojekte e.V.
September 2026
Kontakt und Informationen
Projektleiter
Paul Lottmann
p.lottmann@wichernhaus-wtal.de
Mob.: 0151 240 588 08
Fanprojekt Wuppertal
0202 / 870 27 665
Wiesenstraße 118
42105 Wuppertal